PDF Drucken E-Mail
„TEGS“ gastiert an der ADS Dieburg

Seit 26 Jahren gibt es „TEGS“, die Theatergruppe der Ernst-Göbel-Schule, einer additiven Gesamtschule in Höchst. Sie ist wie die ADS-eigene Theater-AG eine reine Oberstufen-AG.

Seit ihrer Gründung 1993 läuft die TEGS unter Führung ihrer Leiterin Eleonora Venado, mittlerweile assistiert von Luis Wellenreiter. Seit 1995 findet alljährlich im November die Premiere eines neuen Stückes statt, mit dem die TEGS nicht nur das Schulleben, sondern auch die kulturelle Landschaft des Odenwaldes bereichern will. Für dieses ehrgeizige Ziel wird mit Förderung seitens der Sparkasse und unter Mitarbeit bzw. Supervision eines Theaterpädagogen sogar in den Sommerferien gearbeitet, ansonsten in wöchentlich zweieinhalb Stunden Proben sowie zusätzlich an diversen Probenwochenenden.

Das neue Programm heißt <GELD oder LEBEN> und führt eindrucksvoll vor, wie das Geld, konkret die Großbanken, die Welt regiert und wie ungeheuer groß und verderblich, auf aberwitzigen Gesetzmäßigkeiten beruhend und dabei im Grunde vollkommen überflüssig die Schere zwischen Arm und Reich tatsächlich ist:

Treffend stellen die Theaterfiguren fest, dass der morbide Wert exorbitanten Reichtums vor allem auch darin besteht, dass dieser exklusiv ist, wobei der Grad der Exklusivität und damit der gefühlte Wert des Reichtums umso höher ist, je größer der Abstand zu den Besitzlosen ausfällt.

 

„Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“, sagte bereits Henry Ford, Gründer der Ford Motor Company, der 1947 im Alter von 83 Jahren starb, der es wissen musste. Diese Aussage kann nach dem Erlebnis des TEGS-Stückes zunächst bestätigt werden; ob das Verstehen der Finanzwelt tatsächlich auch heute zu einer Revolution führen würde, sei dabei dahingestellt.

 

Zur Aufführung an der Alfred-Delp-Schule am 18.06.2019 waren alle Q2-Schülerinnen und Schüler mit ihren jeweiligen Kurslehrkräften eingeladen, die Aula war voll besetzt mit aufmerksam schauenden und lauschenden Gleichaltrigen.

 

Die Themen des Theaterstücks sind: „Ungerechtigkeit, Misstrauen, Angst, Ungleichheit, die Schere zwischen Arm und Reich, die zunehmende Ungerechtigkeit der Auswirkungen der Globalisierung.“ Damit diese Themen nicht plakativ und theoretisch bleiben, haben sich die Mitglieder der Theatergruppe mitten hinein begeben in die Auswirkungen der allgemeinen Entwicklung: „Mit Besuchen bei der Tafel und der spielerischen Auseinandersetzung mit dem dort Erlebten auf der Bühne kamen immer mehr Fragen nach den Ursachen auf. Warum sind wenige Menschen so unermesslich reich und andere haben überhaupt keine Chance? Warum geht es der Wirtschaft in Deutschland immer besser, aber gleichzeitig werden Wohnung unbezahlbar? … Die TEGS sind der Meinung, dass die Aufklärung über unser Geldsystem viele Fragen automatisch beantwortet.“

Dabei wird die schwierige Thematik, basierend auf einer Buchvorlage - Helmut Creutz, <Das Geldsyndrom> (1997) -, fantasievoll und unterhaltsam in Handlung umgesetzt: „Eine Gruppe von Jugendlichen befindet sich auf einem U-Boot und denkt über die Welt nach. Von Hunger getrieben planen sie einen Banküberfall in Frankfurt. Leider tauchen sie in Offenbach auf und müssen mit der S-Bahn zum Hbf. Dort erleben sie einen vermeintlichen Terroranschlag und beschließen, ab jetzt Gutes zu tun und bei der Tafel zu helfen. Von diesen Erfahrungen geprägt, wollen sie erst mal etwas Richtiges essen und fragen bei der Bank nach einem Kredit. Empört verlassen sie diese wieder, als sie erfahren, wie Geldschöpfung funktioniert. Sie versuchen zu arbeiten – Musik zu machen, scheitern und wollen auf Robin Hoods Spuren die Vermögensverteilung selbst in die Hand nehmen. Zu diesem Zweck reisen sie nach Berlin und befragen Finanzminister Scholz, wer die Reichen sind und woher ihr unermesslicher Reichtum kommt. Die sehr erschöpfenden Auskünfte und der Hinweis, dass die Reichen im Finanzministerium ja ein- und ausgehen, führen zum Showdown beim Sektempfang.“

 

Nachfolgend einige Impressionen aus der Aufführung, die von der überzeugenden schauspielerischen Leistung der Akteure getragen wurde und mit vergleichsweise wenigen, dafür gezielten Effekten auskam:

 

TEGS1

 

TEGS2

 

TEGS3

 

TEGS4

 

TEGS5

 

TEGS6

 

TEGS7

 

TEGS8

 

TEGS9

 

TEGS10

 

TEGS11

 

TEGS12

 

Nach einer knappen Stunde anregender, wenn auch nicht leicht verdaulicher Theaterkost bedankt sich ADS-Schulleiterin Bettina Wannowius für das gelungene Gastspiel:

 

TEGS13

 

 

21. Juni 2019 Bericht und Fotos: Angelika Schneider